Guter Vorsatz fürs neue Jahr...
...Joggen.

So einfach und simpel war mein Vorsatz am 31.12.2010.

Mehr Sport machen. So einen Vorsatz hatte ich schon öfter gefasst. Am liebsten abends auf dem Sofa oder im Bett. Und spätestens am nächsten Abend war der Vorsatz dahin... Zu verlockend das Fernsehprogramm, zu vollgegessen der Magen oder zu anstrengend der Tag. Ausreden kommen ja in scharen, wenn der innere Schweinehund zu groß ist.
Diesmal scheint es aber anders zu sein. Vielleicht liegt es an der Motivation, die dahinter steckt. Ich will diesmal nicht einfach nur so joggen. Das wollte ich eigentlich eh noch nie, weil ich eher der Sprinter bin, Ausdauerlaufen war noch nie meins. Diesmal ist es anders.
Hintergrund sind mein Neffe und die benachbarte Großstadt. Dort geht er nämlich seit letztem Jahr auf eine weiterführende Schule und diese nimmt an einem Stadt-Sport-Projekt teil. Ein Stadtlauf für einen guten Zweck. Letztes Jahr ist er dort schon mitgelaufen und für dieses Jahr haben wir beschlossen, soll die ganze Familie mitmachen. Meine Mutter mit Nordic Walking, meine Schwester, mein Schwager und ich wollen joggen.
Joggen... sechs Kilometer... In der Schule war schon der Dreitausendmeterlauf ein Greuel und das ist nun auch schon ein paar Jährchen her. Aber will ich es schaffen, ich will sechs Kilometer laufen, am besten, ohne anschließend in ein Sauerstoffzelt zu müssen.

Mit diesem Vorsatz bin ich also ins neue Jahr gerutscht. Und jetzt habe ich schon einen Monat hinter mir und der Vorsatz steht noch. Und obwohl es schweinekalt draußen ist, war ich in den letzten vier Wochen schon dreimal draußen laufen und – wenn man gnädigerweise auch Spaziergänge (in gutem Tempo, nicht so ein Geschlendere) dazurechnen darf – komme ich schon auf fünf „Läufe“ an der frischen Luft. Und das bei DEN Temperaturen (teilweise Dauerfrost und eisiger Wind). Ich bin sehr stolz auf mich.
Vor allem, weil solche Ratgeber oder Reportagen über Leute, die von der Couch-Potatoe zum Supersportler mutiert sind und dadurch zehnerweise Kilos verloren haben und mit der Aussage enden: Wenn ich das schaffe, schaffen Sie es auch, bei mir sonst ebensowenig helfen wie die Beziehungsratgeber bei Bridget Jones.
Ich weiß, besonders herausragend ist meine Leistung noch nicht, aber ich habe ja auch noch über ein halbes Jahr Zeit.

Im Moment ist mir erst einmal wichtig, meinen inneren Schweinehund zu bekämpfen (denn bisher hatte ich meistens verloren) und überhaupt erst einmal rausgehen und was tun.
Das ist schon ein riesiger Erfolg.
Die sportliche Leistung bislang weniger.
Bei den ersten beiden Malen hat mir nach gut 800m der Hals so weh getan und der Rachen war so – entschuldigt den Ausdruck – verschleimt, dass ich kaum noch Luft bekam und erst mal vom Laufschritt in einen Spazierschritt verfallen bin – für wesentlich mehr als 800m.
Zum Glück habe ich ja eine nette kleine technische Spielerei in Form eines iPods,
der mir über Messung der Zeit und der Strecke mitgeteilt hat, dass ich viel zu schnell los gelaufen bin. Würde ich dieses Tempo für die sechs Kilometer durchhalten, könnte ich den Marathonläufern Konkurrenz machen. Aber, da meine Lunge und meine Pumpe das nicht durchhalten, muss ich mich also austricksen, um die Schnelligkeit in Ausdauer umzuwandeln.
Ich habe also mit Spaziergängen angefangen. Zweimal in Begleitung meiner sportlicheren Hälfte und eigentlich nur zur Verdauung bzw. zum Vergnügen, nicht zum Sport, so dass das Tempo irgendwo zwischen Schlendern und stramm laufen gelegen hat. Das könnte ich stunden- bzw. kilometerlang durchhalten. Also liegt darin wohl meine Strategie:
Nicht joggen soweit wie ich kann und allmählich die Strecke steigern, sondern die Strecke beibehalten und allmählich das Tempo steigern.

Gedacht, getan. So bin ich also vorgestern gut 45 Minuten sehr straff gelaufen. Insgesamt hatte ich eine Strecke von knapp drei Kilometern. Für den Anfang will ich mich ja nicht gleich entmutigen. Lieber erst mal versuchen, die halbe Strecke zu schaffen, dann sehen wir weiter. Auf dem Rückweg hat mich dann aber doch die Neugier gepackt und ich bin versuchsweise in den Laufschritt verfallen. War auch ganz nett, da es zunächst bergab ging. Dann kam die Ebene und meine Luft ging mir noch nicht aus. Also lief ich weiter. Letztlich habe ich, obwohl ich vorher so stramm gegangen war, dass mir schon mehr als warm war, etwa 1,5 km mit nur einer kleinen Unterbrechung von etwa 200m im Laufschritt geschafft. Faszinierend, dass ich an diesem Tag auf den Rückweg noch mehr Ausdauer hatte, als 2 Wochen vorher am Beginn.

Gestern hatte ich Muskelkater in der linken Gesäßhälfte. Aber es war auszuhalten. Abends war ich dann beim Yoga. Heute habe ich davon Muskel in den Armen und teilweise im Bauch. Und ich bin müde und schlapp.
Da ich aber in den ach so tollen Artikeln gelesen habe, dass man nach 2 Tagen Sport einen Tag Pause einlegen soll, habe ich gar kein schlechtes Gewissen, jetzt auf der Couch zu sitzen.
Da kam mir dann auch der Gedanke, ich könnte meine Erfahrungen ja mal niederschreiben. Art und Dauer meiner sportlichen Aktivitäten schreibe ich mir seit kurzem sowieso auf. (Und wehe die Waage zeigt nach einer sportlichen Woche nicht wenigstens ein paar Gramm weniger an.)

Ich schreibe das hier aus verschiedenen Gründen.
Ich will sehen, was ich gemacht, was ich geschafft habe, damit ich mich loben aber auch weiter motivieren kann. Ich will aber auch eine Art Kontrolle haben, einen Ansporn, nicht nur auf das bislang Zurückgelegte, sondern auch für das Kommende. Es wäre ja peinlich, wenn hier nach 3 Beiträgen nichts mehr erscheint, weil ich aufgegeben habe...