Ein Erfolgserlebnis
Gestern habe ich den ganzen Tag gefroren.
Das lag vermutlich an der Müdigkeit, denn die Möbellieferanten hatten sich angekündigt. Und wie das ja immer so ist, wird der Termin nur mit einer Zeitspanne "zwischen XX:XX Uhr und YY:YY Uhr" angegeben. So auch diesmal. Und weil es ja theoretisch sein könnte, dass die Handwerker gleich zum erstmöglichen Zeitpunkt auftauchen, möchte man ja bereit sein.
Also bin ich früh aufgestanden, habe noch letzte Hand an die Wohnung gelegt und der Dinge geharrt, die dann kamen - und wzar ziemlich genau in der Mitte der angegebenen Zeitspanne.
Nachdem die Herren weg und das neue Bett aufgebaut war, war ich ziemlich müde. Da ich abends noch auf einen Geburtstag eingeladen war, habe ich mich ein bissel auf die Couch gelegt und mir ein kleines Mittagsschläfchen gegönnt. Leider hat es nicht lange angedauert, denn mir war furchtbar kalt. Erst als ich drei Wolldecken über mir hatte, wurde es angenehmer. Aber dann konnte ich nicht mehr schlafen.
Ich drehte den Kopf hin und her und schaute aus meiner Postiion durchs Fenster auf einen unangenhm hellgrauen Himmel, der genau die Kälte versprach, die ich die ganze Zeit verspürte. So lag ich etwa fünf bis zehn Minuten und überlegte. Mir kam der Gedanke in den Sinn, dass ich ja laufen gehen könnte. Das würde mich zum Einen richtig wach machen, denn zum Schlafen lief mir langsam die Zeit davon. Ich musste mich bald für die Feier fertig machen. Zum Anderen würde mir durch das Laufen aber mit Sicherheit auch endlich richtig warm werden. Dann meldte sich das große ABER: Aber es ist draußen so nass und kalt und ekelhaft windig. Und bin noch gar nicht richtig munter, ich könnte doch auch einfach noch 20 Minuten hier liegen und mich in die Decken kuscheln... Sollte ich mich wirklich in dieses unwirtliche Wetter hinausquälen?
Normalerweise hätte hier mein innerer Schweinehund und meine Faulheit gesiegt und ich wäre liegen geblieben. Aber ich habe mich tatsächlich aufgesetzt und beschlossen: Ich geh da jetzt raus. Da ich noch keine richtigen Laufklamotten habe, habe ich mich aus meiner übrigen Sportkleidung atmungsaktive, aber auch wärmende Teile herausgesucht. Denn die 6 Grad Plus draußen fühlten sich auf dem Balkon um einiges kälter an.
So machte ich mich also tatsächlich auf den Weg. Ich wählte eine neue Strecke. Neue Strecke - neues Glück, so der Plan.
Da ich ja gelernt habe, dass ich mich am Anfang schnell zu sehr verausgabe, startete ich also von der Haustür bis zum Feldrand (etwa 0,8 km) lediglich mit einem strammen "Geh-Schritt". Am Feldrand verfiel ich dann in einen leichten Laufschritt. Als Ziel hatte ich mir den Feldrand des Nachbarortes auf der anderen Seite gesetzt. Wenn ich es bis dahin schaffen würde... das wäre schonmal eine Etappe...
Zunächst suchte ich mir allerdings einen Punkt auf etwa der hälfte der Strecke, den ich anpeilte. Wenn ich bis dahin durchlaufen könnte, wäre es schon ein Erfolgserlebnis.
Das Wetter war wirklich nicht freundlich. Zu den nasskalten +6 Grad Celsius gesellte sich auf dem Feld ein ziemlich eisiger Wind, der mir durch meine alternative Laufkleidung bis auf die Haut ging. Auch noch Gegenwind... Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen lief ich weiter. Denn je mehr ich lief, umso wärmer wurde mir hoffentlich und ich würde den Wind weniger spüren.
Ich erreichte meinen "Halbzeitpunkt" und stellte überrascht fest, dass sowohl meine Luft, als auch mein Hals und meine Beine noch nicht schlapp machten. Also lief ich weiter. Noch ein Stückchen und noch ein Stückchen, bis der andere Feldrand immer näher rückte. Ob ich es tatsächlich in einem durch bis dorthin schaffen konnte?
Unterwegs überlegte ich mir, dass ich nie wieder ohne Taschtuch laufen gehen sollte, denn ständiges Nasehochziehen finde ich persönlich nicht so prickelnd. Ich hatte auch die Befürchtung, dass ich dadurch aus meinem Atemrhythmus, den ich ja gerade erst finden will, heraus komme und Seitenstechen kriege. Andererseits kommt man auch beim Naseputzen aus dem Atemrhythmus..
Während ich also über das Taschetuchproblem nachdachte, war ich schon fast am Feldrand angelangt. Aber nun merkte ich doch, wie mein Atem immer schwerer ging, ich immer lauter schnaufte und der Hals anfing, weh zu tun. Dennoch schaffte ich die letzten Meter bis zu der selbst gesetzten imaginären Ziellinie!!!
Ich bin ja sooo stolz. Vor allem, nachdem ich einen Blick auf meinen treuen Begleiter namens ipod touch geworfen hatte, der mir verkündete, dass ich soeben drei Kilometer am Stück gelaufen war!!!
DREI KILOMETER!
Das ist die Hälfte der Strecke, die ich im Herbst schaffen will! Ich bin begeistert.
Voller Euphorie trat ich den Rückweg an. Um meine Atmung wieder etwas zu normalisieren, ging ich die ersten Meter in gemäßigem Schritt, bevor ich dann den restlichen Weg bis zum heimatlichen Feldrand wieder joggte. Auch hier fielen mir die letzten Meter wieder extrem schwer, auch die Füße kamen nicht mehr so richtig hoch, aber ich hielt auch hier druch.
Völlig glücklich, mit roten Wangen kam ich wieder zu Hause an.
Kalt war mir auch nicht mehr...
Da ich allerdings die letzten 800m durchs Dorf wieder im "Geh-Schritt" zurücklegte, merkte ich den Schweiß am Rücken und den Wind, der durch die Kleidung ging. (Wo man bei +6 Grad überall schwitzen kan...)
Das mit dem Wind ist keine gute Sache. Ich werde mir also baldmöglich richtige Laufkleidung besorgen.
Die habe ich mir nach DER Leistung heute auch verdient.
Fazit:
Man muss nicht allein um des Laufens willens laufen. Jeder andere Grund, der mich dazu bringt, laufen zu gehen, ist genauso wirksam.
ellys-ecke am 09. Februar 11
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